Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begann die Übung bereits am frühen Samstagmorgen. Um 8.30 Uhr nahmen die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) des Landratsamtes sowie die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) ihre Arbeit in den Stabsräumen des Katastrophenschutzzentrums in Windischeschenbach/Neuhaus auf. (Bildergalerie am Ende des Berichts)
Das zugrunde gelegte Szenario stellte die Beteiligten vor eine umfangreiche Schadenslage: Nach anhaltendem Starkregen mit Niederschlägen von bis zu 160 Litern pro Quadratmeter und Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde waren im gesamten Landkreis zahlreiche Keller vollgelaufen und Dächer abgedeckt worden. Auch für die folgenden Stunden war im Übungsszenario keine Wetterbesserung in Sicht. In der gesamten Region waren eine Vielzahl an Einsatzkräften gebunden, so das Szenario.
Aufgrund der angenommenen Lage stellte Landrat Andreas Meier um 8.50 Uhr im Rahmen der Übung den Katastrophenfall nach Art. 6 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes fest, um eine koordinierte Bewältigung der Schadenslage sicherzustellen.
Zahlreiche Schadenslagen im gesamten Landkreis
Von diesem Zeitpunkt an galt es für die Führungsstäbe, mehrere größere Einsatzlagen gleichzeitig zu bearbeiten und die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren.
Für Vohenstrauß wurden unter anderem Überflutungen, abgedeckte Dächer und ein Stromausfall angenommen. In Eschenbach drohte im Übungsszenario ein Dammbruch am Rußweiher. Dort mussten unter anderem eine Notunterkunft vorbereitet und Sandsäcke angefordert werden. In Floß waren ein Stromausfall und Überflutungen zu bewältigen, in Grafenwöhr zahlreiche vollgelaufene Keller und weitere Überschwemmungen. In Luhe-Wildenau kam es zu Überflutungen und vollgelaufenen Kellern zusätzlich ein angenommener Ölaustritt hinzu.
Die Aufgabe der Führungsgruppe Katastrophenschutz bestand dabei darin, die Gesamtlage im Landkreis im Blick zu behalten, Maßnahmen überörtlich zu koordinieren und notwendige Entscheidungen zu treffen. Die Örtliche Einsatzleitung bildete zugleich die Verbindung zur operativen Arbeit der Einsatzkräfte.
Im Mittelpunkt der Übung standen deshalb insbesondere die Kommunikation innerhalb der beiden Führungsstäbe, der Informationsaustausch zwischen FüGK und ÖEL sowie die Kommunikation zwischen den Führungsstrukturen und den Einsatzabschnitten vor Ort.
Busunfall bei Kohlberg als reale Einsatzübung
Während ein Großteil der Schadensszenarien durch Einspielungen in die Führungsstäbe dargestellt wurden, mussten die Einsatzkräfte ab 9 Uhr auch praktisch tätig werden. Auf der Verbindungsstraße zwischen Weiherhammer und Hannersgrün/Kohlberg wurde ein Busunfall mit mehreren Fahrzeugen und mit mindestens 30 Verletzten angenommen.
Nach der Alarmierung rückten Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz mit zahlreichen Fahrzeugen zur Übungsstelle aus. Beteiligt waren Feuerwehren aus Weiherhammer, Mantel, Kohlberg, Etzenricht, Hannersgrün und Weiden sowie Kräfte des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes.
Insgesamt waren bei der Einsatzübung 17 Fahrzeuge des Rettungsdienstes, zwölf Feuerwehrfahrzeuge und drei Fahrzeuge des Katastrophenschutzes im Einsatz.
Auch das Klinikum Weiden war in das Szenario eingebunden. Dargestellte Verletzte wurden im Verlauf der Übung dorthin gebracht und gesichtet. Auf diese Weise konnte nicht nur die Arbeit unmittelbar an der angenommenen Unfallstelle, sondern auch die weitere Versorgungskette in die Übung einbezogen werden. Hinweis: Die zur Übung gehörenden Sichtungen fanden in unmittelbarer Nähe des Klinikums statt, der Echtbetrieb der Notaufnahme war nicht beeinträchtigt.
Ernstfall hatte jederzeit Vorrang
Trotz der Vielzahl eingesetzter Kräfte war die reguläre Gefahrenabwehr während der gesamten Übung gewährleistet. Für den Fall einer tatsächlichen medizinischen, technischen oder sonstigen Notlage war vorgesehen, die Übung jederzeit zu unterbrechen beziehungsweise die benötigten Einsatzkräfte unmittelbar aus dem Übungsgeschehen herauszulösen. Ein solcher Abbruch war nicht notwendig.
Die Übung der Stäbe von FüGK und ÖEL konnte gegen 11.30 Uhr beendet werden. Für die Einsatzkräfte im Bereich Kohlberg endete die praktische Übung nach erfolgreicher Bewältigung der angenommenen Lage gegen 13 Uhr.
Üben, um im Ernstfall vorbereitet zu sein
Die Verantwortlichen des Katastrophenschutzes am Landratsamt zogen nach Abschluss der Vollübung ein positives Fazit. Gleichzeitig konnten wichtige Erkenntnisse aus den Abläufen und der Zusammenarbeit gewonnen werden. Diese werden nun gemeinsam mit den beteiligten Organisationen ausgewertet und fließen in die weitere Vorbereitung auf mögliche Katastrophenlagen ein.
Auch Landrat Andreas Meier zeigte sich mit dem Verlauf zufrieden: „Solche Übungen sind unverzichtbar. Abläufe und Kommunikationswege müssen immer wieder trainiert werden, damit im Ernstfall alle Beteiligten schnell und abgestimmt handeln können. Unser Katastrophenschutzzentrum in Neuhaus bietet dafür sehr gute Voraussetzungen.“
Dabei gehe es bei einer Übung ausdrücklich auch darum, Verbesserungspotenziale zu erkennen, so Meier: „Eine Übung muss nicht zeigen, dass bereits alles perfekt funktioniert. Sie soll uns vielmehr aufzeigen, an welchen Stellen wir noch nachjustieren können. Genau diese Erkenntnisse helfen uns, für einen echten Katastrophenfall noch besser vorbereitet zu sein.“
Die Vollübung machte damit deutlich, wie viele unterschiedliche Stellen und Organisationen bei einer größeren Schadenslage ineinandergreifen müssen. Neben moderner Technik und geeigneten Führungsräumen kommt es dabei vor allem auf eingeübte Abläufe, klare Kommunikationswege und die Zusammenarbeit der beteiligten Einsatzkräfte an.

