Der Geologische Lehrpfad in Tännesberg

von Simon Wittmann

Trimm-Dich-Pfade und Lehrpfade gibt es genug. Wer aber kennt den „Geologischen Lehrpfad“ im nordoberpfälzer Markt Tännesberg. Wer auf der B 22 von Weiden oder Cham oder von Pfreimd her auf der Staatsstraße nach Tännesberg kommt, der hat zwar etwas Mühe, einen Wegweiser ausfindig zu machen, der ihn zum ersten Geologischen Lehrpfad in Bayern führt. Aber es lohnt sich, sich durchzufragen; denn nicht nur der geologisch Interessierte, sondern auch der naturverbundene Wanderfreund kommt hier auf seine Kosten. Der Lehrpfad eignet sich daher auch als Ausgangspunkt einer Wanderung durch den weitausgedehnten Tännesberger Wald.

Der circa 1,3 km lange Lehrpfad wurde im Rahmen der Flurbereinigung im Jahre 1971/72 geschaffen. Der Grundgedanke dabei war, die engere Heimat allen, die sie lieben, näherzubringen. Der Weg wurde so angelegt, daß er bei jeder Witterung gut begehbar ist. Links und rechts des Weges wurden die zum Teil über 20 t schweren Steine angefahren und ihrem erdgeschichtlichen Alter entsprechend aufgestellt und beschriftet. Für den müden Wanderer wurde eine reichliche „Möblierung“ mit naturverbundenen Holzbänken und Tischen besorgt. Ein Informationsstand vermittelt die wissenschaftliche Einführung und ein Unterkunftshaus gewährt Schutz bei schlechtem Wetter. Schließlich fehlen nicht Erläuterungstafeln und die von der Gemeinde errichteten Parkplätze.

Der Geologische Lehrpfad bietet einen Überblick über die große Vielfalt an Gesteinen im ostbayerischen Raum. Diese Gesteine sind an eine Anzahl von Lagerstätten geknüpft, die noch heute bedeutende Rohstoffquellen darstellen. Das Spektrum der Gesteine reicht von den über 600 Millionen Jahre alten präkambrischen Gneisen bis zu den 30 bis 10 Millionen Jahre alten jungtertiären Basalten und den rezenten Kiesen und Sanden. Mit Ausnahme des Präkambriums, das im Vergleich zu den jüngeren Formationen einen sehr großen Zeitraum umfaßt, wurden die Formationen ihrer Zeitdauer entsprechend auf der Wegstrecke abgesteckt. Die Gesteine wurden aufgrund ihres Alters innerhalb der zeitgleichen Formation in Nischen beiderseits des Weges aufgestellt. Gleichaltrige Gesteine wurden gruppenweise zusammengefaßt, um eine größere Übersichtlichkeit zu bieten. Ihre Reihenfolge innerhalb der Formation stellt - außer im Präkambrium - auch eine Aufreihung nach ihrem Alter dar.

Der Geologische Lehrpfad führt vom jüngsten Abschnitt der Erdfrühzeit zur Erdneuzeit, d.h. zur Gegenwart. Es wird dabei angestrebt, dem Besucher die erdgeschichtliche Entwicklung in ihren Hauptphasen aufzuzeigen. Das altersungleiche zufällige Nebeneinander verschiedener Gesteine soll in das straffe System des zeitlichen Nacheinanders übertragen werden. Die sich daraus zwangsläufig ergebenden Abstände altersungleicher Gesteine können auf dem Lehrpfad eindrucksvoll demonstriert werden (Beispiel: Gneise - Granite).

Zur allgemeinen Einführung bietet ein Informationsstand am Beginn des Weges, der eine geologische Übersichtskarte des ostbayerischen Raumes, eine Tafel zur Erdgeschichte sowie eine Tafel des Lehrpfades enthält, das erforderliche Rüstzeug. Am Beginn jeder Formation befindet sich zudem eine Tafel, aus der die wichtigsten Daten der Formation entnommen werden können: den Beginn der Formation vor Millionen Jahren, die Dauer, die Gliederung in Abteilungen, die Verbreitung der Gesteine in Ostbayern, die Landschaftsgeschichte, die wichtigsten Gesteine und Lagerstätten sowie Bemerkungen zur Fauna und Flora.

Im Rathaus des Marktes Tännesberg ist zum Preis von 2,- DM ein Führer durch den Geologischen Lehrpfad erhältlich, dem auch die wichtigsten Fakten dieses Aufsatzes entnommen wurden. Er bietet sowohl dem Wissenschaftlich interessierten Besucher als auch dem Laien fundierte und leicht verständliche Informationen.

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